Gemeinschaftliche wERDschätzung am Tag des guten Lebens

Tag des guten Lebens, 20. Juni von 11-18 Uhr auf dem Platz der Republik, Wuppertal – Ostersbaum

Die partizipative Kunst- und Mitweltaktion plan e: planet erde ist zur Erkundung der Erde in Wuppertal unterwegs. Bunt und vielfältig – wie die Stadt – gilt es an unterschiedlichen Orten, unseren Bezug zur Erde bewußt zu machen und aufzufrischen oder herzustellen. Gärtnern, Geschichten, künstlerische Praktiken gehören dazu, wie kürzlich mitten in Elberfeld in und mit der Alevitischen Gemeinde.

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Als besondere Aktion hat plan e den Künstler Frank Fischer alias Freifrank aus Süddeutschland eingeladen, vier Kubikmeter Humus zentral auf dem Platz der Republik in Szene zu setzen, wie er es zum Geburtstag von Joseph Beuys am 12. Mai auf dem Odeonsplatz mitten in München schon getan hat. (Bild oben)

Die Aktion läuft am 20. Juni, mitten am Tag des guten Lebens am Ostersbaum von 11 – 18 Uhr. Alle Besucher sind eingeladen, die Installation einzeln zu betreten und der Erde zu begegnen. Den reifen Humus bearbeitet und begrüßt Freifrank achtsam mit Händen und Füßen und verneigt sich auf diese Weise vor dem Boden. Acht sternförmig angeordnetete rote Läufer weisen den Weg zum Humus. Wer schon einmal frischen Waldboden oder die Erde aus einem Maulwurfshügel in der Hand hatte, kennt das haptische Erlebnis, dieses Gefühl von lebendiger Energie und den besonderen Duft. Sich mit allen Sinnen der Erde wertschätzend zuwenden ist ein Er-innern und Ver-innerlichen.

„Staunen, wertschätzen, schützen“ ist das Motto unserer Aktionen, die einladen, in ein vertieftes Wahrnehmen zu gehen und sich bewusst mit der Erde zu verbinden, sowohl als Boden, auf dem wir uns bewegen, als auch als blauen Planeten, auf dem und mit dem wir leben. Unterhalb der mit einem wERDschätzungsrahmen umrahmten Humus-Fläche leben in einer Tiefe von 30 cm 1,6 Billionen Lebewesen im Boden.

Bis heute waren über 300 Menschen auf der ganzen Welt unterwegs, um an einem Ort ihrer Wahl einen der originalen wERDschätzungsrahmen des Künstlers Freifrank auszulegen, ihre individuelle wERDschätzung durchzuführen und fotografisch zu dokumentieren. Nehmen wir vor Ort teil, machen wir mit. Parallel werden wir von plan e uns mit weiteren wERDschätzungsrahmen ins Quartier aufmachen, um die wilden, natürlichen Ecken desselben zu entdecken. Alle Fotodokumente der Teilnehmenden werden dann online zu finden sein, unter
http://www.werdschaetzung.de und http://plan-e.earth/

Bildrechte: Frank Fischer

Die gemeinschaftliche Aktion wERDschätzung, die Frank Fischer 2018 gestartet hat, basiert auf dem erweiterten Kunstbegriff nach Beuys und führt den Ansatz der Sozialen Plastik weiter zur Idee einer „Ökologischen Plastik“: Mensch und Natur verbunden in gestaltender Lebendigkeit. Die Erde ist unsere lebensnotwendige Grundlage, erhalten und fördern wir sie.

Übrigens: Nach dem Tag des Guten Lebens darf im hinteren Bereich vom ADA-Platz dann Humus abgeholt werden für das eigene Beet.

plan e: planet erde lädt begleitend zur Installation zu einem Ausschwärmen im Quartier Ostersbaum ein: Wir wollen jeweils um 12 und 15:30 Uhr „Wilde Ecken entdecken“ im Viertel erkunden und wERDschätzungs-Rahmen ausgelegt und fotografiert werden.

Demnächst folgen weitere Stationen im Wilhelm Dörpfeld-Gymnasium, dem Kulturkindergarten oder auch bei der Mobilen Oase vor der Färberei.

Die plan e-Abschlussveranstaltung findet Anfang September im Insel e.V. und hinter dem Café ADA statt, dort wo zukünftig der INSEL Kulturgarten entstehen soll.

Mit herzlichem Dank an die Förderer:
Fonds Soziokultur aus dem Programm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) „NEUSTART KULTUR“, Gesellschaft Lebendige Landwirtschaft gGmbH, renaissance Immobilien und Beteiligungen Aktiengesellschaft und das Kulturbüro Wuppertal.

Polylog 1 – Urban Gardening Friedensprojekt & Alevitentum

Wir machen uns auf zum Treffen mit der Alevitischen Gemeinde in Wuppertal!

Das wichtigste Buch zum Lesen ist der Mensch selbst.
– Hacı Bektaş Veli (1209-1295)

Das Alevitentum interessiert uns als humanistische und universalistische Religion ohne Absolutheitsanspruch. Zudem ist es keine ausgesprochene Buchreligion: Koran, Bibel, die Thora und die Psalmen aber auch Dichtung haben alle den gleichen Stellenwert. Für die Aleviten „offenbart sich der Schöpfer in der Schöpfung“, sie ist heilig und muss geschützt werden. So wundert es nicht, dass sie sich im interreligiösen Abrahamischen Forum für Naturschutz und Artenvielfalt engagieren.

Wir brauchen ein verändertes Verständnis von Natur und Umwelt. Es erfordert, nicht nur an die eigenen Kosten und Nutzen zu denken, sondern Natur als ein unersetzbares Gut zu sehen, welches auch für unsere Nachwelt zu bewahren ist. Die ökologische Krise ist somit auch eine ethische Herausforderung!

Für etwa 80% der Weltbevölkerung spielt Religion eine Rolle in ihrem Leben. Die Integrität der Natur zu achten und zu bewahren ist eine wesentliche Botschaft aller Religionen. In der gemeinsamen Erkenntnis der Religionsgemeinschaften hinsichtlich der Bedeutung des Lebens und der Natur liegt somit ein Schlüssel zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Natur.

https://abrahamisches-forum.de/projekte/religionen-fuer-biologische-vielfalt/

Interreligiöses Zusammenwirken im Bereich Naturschutz und gemeinsame religiöse Feste dienen dem besseren Kennenlernen untereinander, dem Frieden miteinander und mit der Natur. In diesem Sinn sind wir gespannt, alevitische Feste, Traditionen und Rituale rund um die Schöpfung sowie das Urban Gardening Friedensprojekt bei unserem Treffen am 6. Juni näher kennenzulernen. Wir werden berichten!